Kunsttherapie mit Menschen im Autismusspektrum

 

Kunsttherapie ermöglicht, auch das auszudrücken, wofür es (noch) keine Worte gibt, was unaussprechlich ist oder vielleicht auch widersprüchlich erscheint. Sich auf einem anderen Weg als mit Worten mitzuteilen, also sich mit Formen, Linien und Farben auszudrücken, ermöglicht einen neuen Zugang zum eigenen inneren Erleben. 

 

Gerade Menschen mit einer Autismus-Spektrum-Störung sind oftmals auf dieser visuellen Ebene leichter zu erreichen als auf andere Weise. Kunsttherapie nützt diese Stärke.

 

Anlässlich des weltweiten Autism Awareness Month möchte ich in in diesem Blogbeitrag Informationen und Gedanken zur Wirksamkeit von Kunsttherapie im Autismus-Spektrum mit dir zu teilen.     

 

Aufgrund meiner bisherigen Wahrnehmungen und auch der Erfahrungen, die ich als Fachassistentin für die Österreichische Autistenhilfe machen durfte, habe ich Eindruck, dass Menschen mit ASS im Alltag häufig mit ihren Einschränkungen konfrontiert und von ihrem Umfeld besonders die mit dem Autismus zusammenhängenden Defizite und Probleme wahrgenommen werden.     

 

Beispielsweise im Schulbereich fällt rasch auf, was zur negativen Seite hin von der Norm abweicht, während Anpassungsleistungen im erlaubten Rahmen als selbstverständlich angesehen werden. Seltener wird positiv auf die Verhaltensweisen und Eigenschaften reagiert, die die betroffene Person als persönlich bedeutsam ansieht (wie etwa Spezialinteressen und -wissen, Aufrichtigkeit, Genauigkeit, logisches Denken, Kreativität, besonders detaillierte Wahrnehmung usw.). 

 

Ich halte es für sehr wichtig, Menschen mit ASS zu unterstützen, mit den an sie gestellten Anforderungen angemessen umzugehen und Kompetenzen in Bereichen, in denen es Schwierigkeiten gibt, zu erlernen.       

 

Mir scheint es hinsichtlich des psychischen Gleichgewichts aber für mindestens ebenso wichtig, Menschen auch in ihrer eigenen Persönlichkeit, in ihrem So-Sein, anzunehmen, zu stärken und zu fördern.   

 

Also Raum zu schaffen für das, was ist, nicht nur für das, was sein soll.

 

Dieser Raum entsteht in der Kunsttherapie. Über das Gestalten mit künstlerischen Mitteln und in der Betrachtung der Gestaltung innerhalb einer therapeutischen Beziehung kann man sich selbst erfahren in den eigenen Bedingungen und Möglichkeiten.

 

Kunsttherapie hilft, mit sich in einen guten, akzeptierenden Kontakt zu kommen und führt zu einem besseren Verständnis seiner selbst. Das ist die Grundlage für die Entfaltung des eigenen Potenzials und für das Erlernen von Fähigkeiten.

 

Ressourcenorientierung

 

Durch eine ganzheitliche Sichtweise und Ressourcenorientierung können in der Kunsttherapie Selbstvertrauen und Selbstwert allmählich zunehmen. Die eigene schöpferische Kraft, die Stärken und der Zugang zur eigenen Bilderwelt werden wahrgenommen und gewürdigt.

Mein Fokus in der Kunsttherapie liegt auf den individuellen Ressourcen und Stärken. Der Mut zum eigenen Selbst darf entwickelt und gefördert werden.

 

Es ist eine wichtige Erfahrung, innerhalb der therapeutischen Beziehung in seiner Ganzheit angenommen und wertgeschätzt zu werden. Die eigene Art der Wahrnehmung und des Ausdrucks kann als Stärke erkannt und weiter entfaltet werden. Individueller Ausdruck wird gefördert und der persönlichen Leidenschaft für bestimmte Interessensgebiete und der Fähigkeit, sich auf ein Thema oder Details zu fokussieren, wird Raum gegeben.

 

Ressourcenorientierung bedeutet für mich nicht, Probleme auszuklammern, sondern in die Entwicklungsfähigkeit von Menschen zu vertrauen. Gerade für jene, die im Alltag immer wieder auf Unverständnis stoßen, ist diese Erfahrung besonders wichtig. 

Psychische Entlastung

 

Vieles von dem, was wir erleben und erfahren, kann mit Worten nicht oder kaum ausgedrückt werden. Das Gestalten mit künstlerischem Material (Wasserfarben, Acrylfarben, Kreiden, …) ermöglicht, diese Erfahrungen in eine be-greifbare Form zu bringen.

 

Schwer beschreibbare Gefühle, Konflikte oder Bedürfnisse werden zu einem materiellen Gegenüber.

 

Die eigenen Wahrnehmungen, Empfindungen, Gefühle und Gedanken können in eine persönliche Ordnung gebracht werden, was entlastend wirkt.

 

Die Gestaltungen ermöglichen Begegnung – mit dem was da ist auf dem Papier und mit dem, wie es auf mich wirkt, was es mit mir macht und wie ich darauf reagiere. Sobald etwas sichtbar ist, kann es leichter bearbeitet und verändert werden.

 

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